6:42 – In der Presse

Ich freue mich:

https://alvafuristo.files.wordpress.com/2016/10/westerburgs-alva.jpg?w=366

Advertisements
Veröffentlicht unter Allgemein | 1 Kommentar

Ich fühl mich, aber doch mal eigentlich, einstweilen, total strange, völlig und nur ein wenig, bis ganz kurz, total gerade, um die Zeit, nur einen kurzen Augenblick, total Gaga?

Wenn jemand fragt, wie man sich während und nach einem Lektorat fühlt: Die Überschrift trifft es.

Frisch aus der Lektoratshölle:

Jedes Wort stellt man auf den Kopf, jeder Satz wird analysiert. Wer macht was, warum, in welcher Reihenfolge … Brauche ich das Wort? Drückt es das aus, was ich sagen will?

Nach ein paar Stunden am Text beschleicht mich das Gefühl, da stehe keine Geschichte, sondern eine Anhäufung von Füllwörtern, unnötigen Konjunktionen und irgend welcher vagen Beschreibungen von Eventualitäten …

Kaum zu fassen. Ich habe in meinem Manuskript schon zuvor gefühlte 2.000 Dann gelöscht, sagte er, sagte sie … Ja wer sagt jetzt überhaupt etwas.

Ich habe den dreiarmigen Bodyguard bewundert … Er schaffte es mit 3 Waffen auf einen Mann zu zielen …

Aber das waren ja noch Tatsachen.

Die schlimme Angewohnheit, aus einem schlichten Satz eine Frage zu gestalten, schiebe ich mal auf Schweizer Verwandtschaft.  🙂 Was ich meine? Das:

Das ist ein Brot.

Das ist ein Brot, nicht wahr? Und schon haben wir eine Frage …

Wenigstens kann ich lachen, wenn das: „He, oder?“ in den Ohren klingelt.

Nach völliger Textverirrung lese ich dann: Es wurden die Bänder vom Vertrag eingespielt. SCHNAPPATMUNG! Wer verflucht hat den Plot versaut und diesen Vortrag an Robert weiter gegeben? Panisch fange ich an zu überlegen, ob er ihn nun haben darf oder nicht, den Vortrag. Und wieso reden die von Bändern? Es handelt sich doch um einen Laptop und nicht um einen Commodore C-16 mit Datasette … Entwarnung! Da stand Vortag.

Puh. Entspanne ich mich lieber. Anna setzt sich am Strand und ich bekomme eine Krise. Ich habe so viele Wörter geschubst, dass ich mich frage: Sitzt sie auf dem Sand oder setzt sie sich in den Sand. Oder setze ich womöglich gerade alles in den Sand?

Alles halb so wild, bis ich mich wegen der Political Correctness sorge, als Lionel die Hautfarbe des Verlages ist. Darf man das sagen? Nach einigem Blinzeln erkenne ich: Hauptaufgabe. Da hatte ich aber Glück.

Aber ein bisschen Text geht noch. Und da fragt Anna: Was ist mit dieser Ejakulation.

HALLO? Ich glaube, jetzt bin ich durch. Kann doch nicht wahr sein. Das ist falsch! Da muss stehen:

Dann sagte er: „Eigentlich setze ich mich wohl besser auf den heißen Sand. Der Vortrag der Hautfarbe ist ein wenig auf den Bändern. Und das nennt man beinahe Ejakulation, nicht wahr?“ Sie sah zu ihm hinüber und ihre Augen klebten an ihm fest.

Ihr versteht nur Bahnof?

Kein Wunder. Sicherlich kann das nur noch ein Autor nachvollziehen, der auch schon einmal durch die Lektoratshölle ging. Den packt beim obigen Satz das Grauen.

Und Anna? Nach einer Nacht schlaf, fragt sie wieder brav nach der Exkommunikation. Glück gehabt. Sonst wird am Ende noch ein Erotikstreifen aus 6:42 Uhr. Und das will sicher keiner, bei der Besetzung …

Ich quäle mich weiter und im Juni ist es endlich: 6:42 Uhr. Ein paar Minuten müsst ihr noch warten. 😉

SDC11929

Eure Alva

 

Veröffentlicht unter Allgemein | 3 Kommentare

Zum Valentinstag …

… eine Geschichte. Leider ohne die passende Blume, die ich sträflicherweise nicht im Fundus meiner Fotos habe. Das wird im Frühjahr umgehend nachgeholt. Dennoch hier die Geschichte, die mein Mann von mir bekommt, seiner Lieblingsblume, dem Vergissmeinnicht, gewidmet.

CIMG0765Der Botaniker
(Die Schöpfung)

»Was ist das?«, plärrt Genius der Zweite, aus dem Geschlecht der Auserwählten, quer durch den Garten.

Boragin, der Botaniker, sieht nachdenklich zu dem achtjährigen Jungen. Rotzlöffel, denkt er bei sich und schenkt dem Auserwählten ein aufgesetztes Lächeln. Widerillig macht er sich auf den Weg, um der Gruppe von Schülern zu erklären, welche Pflanze sie bestaunen.
»Welches Exemplar meint Euer Gnaden?«, erkundigt er sich beim Hinübergehen.

Ein jäher Schmerz fährt durch sein Herz hindurch, als er die ausgerissene Pflanze in den Händen des Kindes sieht.

Er ist ein Kind. Nur ein Kind. Auch wenn seine Gene ohne Defekte und Fehler sind, auch wenn er zu einem der intelligentesten Menschen heranwächst, einem, der die Menschheit vor der Ausrottung und der totalen Zerstörung retten wird. Er ist ein Kind.

Das war ein Vergissmeinnicht. Eine Myosotis aus der Gattung der Raublattgewächse.« Wehmütig betrachtet Boragin die Wurzeln, Erde bröselt herunter.
Genius prustet los. »Was für ein idiotischer Name ist das denn?«
Keines der anderen Kinder wagt auch nur einen Laut von sich zu geben.
Der Lehrer der Gruppe beäugt Boragin interessiert. Der Botaniker sieht in die Runde der fragenden Kinderaugen. Die meisten unter ihnen sehen heute zum ersten Mal echte Pflanzen hier in der Biosphäre. Die Kinder wurden alle in einer Zeit erschaffen, da die letzten Pflanzen in freier Natur längst ausgerottet sind.

Er fasst sich ein Herz. Kinder lieben Geschichten, also wird er sie ihnen erzählen und seine Lieblingspflanze wird sich in ihr Gedächtnis brennen.
»Einst, nach der Schaffung der Welt, konnte sich die Pflanze ihren Namen nicht merken und so stattete der Schöpfer sie kurzerhand mit einem neuen Namen aus: Vergissmeinnicht.“ Er hat seine Worte kaum ausgesprochen, als er das Büschel grün mit den unverwechselbaren blauen Blüten daran zu Boden fallen sieht. Der Fuß von Genius tritt drauf, die Blütenblätter wirbeln wild umher.
»Blasphemie!«, schreit Genius. Der Lehrer zuckt zusammen. Die eiskalten blauen Augen von Genius starren Boragin an.
»Es ist eine Geschichte. Nur eine Geschichte.« Boragins Worte sind ruhig und voller Wärme, doch noch mehr Zorn lodert in den Augen des Jungen auf.
»Genius der Erste ist der Schöpfer allen Lebens. Nur ihm ist es gestattet Leben zu erschaffen und es beim Namen zu nennen.« Despotisch hallt die Stimme des Jungen durch die Biosphäre.

Es ist Boragin als zögen sich die Pflanzen zusammen, als schlössen sich die Blütenkelche ein wenig. Unterwürfig sieht er zu Boden. Wieder fällt ihm das Vergissmeinnicht ins Auge.
»Auf deine Worte folgt die Strafe«, droht Genius ihm.
»Er ist der Letzte seiner Art. Der letzte Bontaniker. Keiner außer ihm besitzt mehr die Fähigkeit diese Pflanzen am Leben zu erhalten. Dieser Garten ist sein Werk.« Die Stimme des Lehrers hallt ermahnend durch die Kuppel.
»Dieser Garten ist sein Werk? Genius der Erste ist der Schöpfer allen Lebens. Sagt, Lehrer, wollt Ihr dem Schicksal dieses Ketzers folgen?« Bedrohlich deutet der Junge mit dem Zeigefinger auf den Lehrer.
»Verzeiht, euer Gnaden. Aber seht Euch um! Was seht Ihr?« Boragin deutet über die üppigen Blüten, die sie umgeben.
»Nutzloses. Gezüchtetes Gewebe, dessen Zellen stetig zerfallen. Nicht mehr.« Die Stimme des Auserwählten ist voller Kälte.

Boragin richtet den Blick auf Genius. Die Worte des Jungen hallen in seinen Ohren und er beginnt zu begreifen.
»Seht Ihr denn nicht das Wunder, die Schönheit?« Die Stimme des Botanikers ist hörbar aufgebracht.
»Schönheit? Wo sollte sie hier sein? Ich alleine bin, was diese Welt bewegt. Der Sohn des Schöpfers, der Weg des Kosmos.«
Genius schließt die Augen.
Boragin weiß, was nun geschehen wird. Er kennt die Macht der Auserwählten. Er sinkt auf die Knie und spürt den Schmerz. Seine Finger greifen einen Zweig der Pflanze und ziehen sie unter dem Fuß des Auserwählten hervor.
Blau leuchten die kleinen Blüten des Vergissmeinnichts. Sie sind ein Wunder. Blau wie einst der Himmel, einst die Ozeane. Blau wie die Augen der Auserwählten. Sie sind ein Symbol, ein Mahnmal, doch er kann es nicht sehen – So auserwählt ist er.

»Sprich deine letzten Worte.«
Die Stimme des Jungen ist ein Segen. Sie nimmt Boragin alle Last. Er beginnt seine Gedanken in Worte zu fassen.

»Des Daseins letzter Wille hat gesiegt und nimmt mich fort.
Geh.
Irrgärten aus Gedanken säumen diesen letzten Weg.
Letzte Begrenzung irdischer Gedanken.
Angelegt und Begrenzt wie ein Garten, einzig einem Zweck dienend.
Wo ist die Weite, die Unendlichkeit? Blüten wachsen überall. Sind sie gesät, gezwungen, feinerer Natur?
Antinomie des Seins in meinem Kopf.
Zuletzt sah ich die kühlen Augen.
Vergesslichkeiten – wie einst in Gärten eingepfercht.
Leben, du hast das Spiel verloren.
Der Mensch ist nun der Gärtner.
Ich gehe fort.
Ich war Botaniker, ich war der Forscher.
Wächter der Erinnerungen .
Nun folgen Schöpfer. Götter.
Neben jenen verblasst meine Funktion.
Erinnerung an mich verhallt.
Dennoch bleibt der Hoffnung letzter Funke.
Er glimmt.
Vergissmeinnicht. «

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Ist es schon 6:42 Uhr?

Immer zur gleichen Zeit sehe ich in meinem Büro auf die Uhr. Zufall?

CIMG1099

Nein. In meinem Büro ist es tatsächlich immer 6:42 Uhr – offenbar überall auf der Welt. Das ist ein Schrein, der mich erinnert, dass es bald so weit ist und der lang ersehnte Zeitpunkt in greifbare Nähe rückt, das erste meiner Bücher in Händen zu halten.

Ich habe das Cover gesehen, die Klappentexte stehen und nun warte ich sehnsüchtig und ängstlich zugleich auf das Lektorat.

So gerne würde ich über jetzt über Anna plaudern und über Jonas und Robert. Über die chaotischen Reise von Anna und dem Erzbischof, Roberts sonderbaren Plan …

Aber noch ist es nicht an der Zeit. Doch ein Blick auf die Uhr an jedem Beginn und Ende des Tages verrät mir: Es ist 6:42 Uhr. Genau die richtige Zeit, um sich zu freuen, auf das was im Mai ansteht …

CIMG1099

 

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Der Jahreswechsel – Wenn die Autorin vorübergehend nicht erreichbar ist …

Ja, was macht sie denn dann eigentlich gerade so?

Wer jetzt an Urlaub denkt, der liegt nur knapp daneben.

Im Grunde wurde in meinem Kopf alles bunt – zu bunt, um es genau zu sagen.
Da spukten Gedanken zu meinem Buch, das noch nicht aus dem Lektorat zurück ist. Da formten sich Ideen zu dem Werk, welches noch zu einer großen Überarbeitung in der Schublade liegt. Dazu fiese Fragen von meiner Lektorin zu Elly 2. Und als Krönung der Jahresendspurt im Job.

Also wurden Geschenke gekauft und verpackt und Fälle bearbeitet und der private Laptop wurde aus der Entfernung angeschielt. Er mutierte zu einem Monster – grinsend drohte er mir meine Zeit zu rauben, sollte ich ihn aufklappen.
Also wurde er ignoriert. Das kann ich gut – Dinge ignorieren, die mich bedrohen.
Es wurde ein schönes Weihnachtsfest mit Überraschungsgästen und strahlenden Kinderaugen.

Danach – sollte der Laptop wieder ran. Aber ich hatte mich doch so schön an einem Buch festgelesen. Ein dickes Buch. Und der Vorteil: Man kann es überall lesen. Noch dazu ein altes Taschenbuch, das auch die Wasserspritzer in der Badewanne verzeiht. Wieder spukten Ideen und die Motivation stieg, doch endlich noch die gute alte Elly mal abschließend zu befummeln. Mh. Aber das Buch – und dann oh Freude. Teil 2 war gleich mit abgedruckt.
Dazu diese Menschen, die auch noch genau nach Silvester Geburtstag haben und nicht nur hinein feiern, sondern dann auch noch weiter. Aber warte – so dachte ich – ab Montag ist ja eine Woche Urlaub. – Dachte die Brause meiner Dusche auch. Nur noch Tropfen. Sparbrause vom Feinsten.
Und dann die beiden Toilettenspülungen, die sich schon vor Monaten abgesprochen hatten, ihr Innenleben einfach ins Nirgendwo zu schicken.

Also Montag – erster Urlaubstag – Baumarkt. Zwei WC-Komplettsets und eine neue Duscharmatur. So schwer kann das ja nicht sein.
Montag am Abend: Erster WC sitzt. Cool. Aber im zweiten Set fehlen die Halterungen für den Spülkasten.

Dienstag – erst mal Baumarkt. Schwere Kiste hingeschleppt, kleines Tütchen mit Halterungen und Kiste wieder zurückgeschleppt. Armaturen (Ja, die Badewanne auch noch) dran und dann das alte Klo im Gäste WC raus. Neues dran – und dann Urlaub. – Von wegen. Behindertengerecht auf Standard geht nicht. Basta. Da muss der Kreativkopf her. In den Baumarkt. Stein gekauft. Zu groß – geht nicht.

Mittwoch – Baumarkt. Zwei kleine Steine gekauft. Und noch einen Schlauch für das WC oben. (Zwischendurch noch die neuen Pässe abgeholt.) Dann jippieh. Es passt. WC angeschlossen. Und – wieder Baumarkt. Schließlich muss ja der Podest für den neuen Thron noch gefliest werden. Gell? Fliesen ausgesucht. Und zu Hause der Schock: Abfluss tröpfelt.

Donnerstag – Ja. Baumarkt. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht mehr, was ich da wollte? Ach ne. Da hatte ich ja beschlossen nach dem Frühstück in meiner Lieblingsbäckerei den Baumarkt zu meiden und erst einmal mit den Fliesen anzufangen. Die Sichtung der Dichtung war danach geplant. Und dann – zwei Meter vor der Einfahrt – Puff. Mein Hintermann streift mein Auto. Alles gut. Nur die Autos Kratzer. Gut. Dann kann ich ja Fliesen.

Aber das muss geplant werden und dazu solle es ja chic sein. Blöd, dass ich keinen Fliesenschneider habe. Ich hatte ja extra Mosaiksteine, aber das ist dann nur mit denen nicht so der Hit. Also – Baumarkt? Nein. Ich mache einen Notruf. Opa Wolfgang muss her. Er hat einen Fliesenschneider. Und kommt, begutachtet den Abfluss und schneidet mir die Fliese. In vollem Übermut klebe ich den Sockel zu.
Völlig fertig gehe ich an den Laptop. Und? Ahhhh! Eine Mail vom Verlag. Das neue Cover ist fertig und die Klappentexte sind gegengelesen. Das war ein Energieschub.
Noch bis 1:00 Uhr das neue Buch lesen und schlafen.

Heute Morgen fühlte ich mich, wie vom Laster überfahren, aber wieder an die Baustelle und fertig sind die Fliesen, nachdem ich nun weiß, warum kein Heimwerker Mosaikfliesen legt.

Dann schnell Mails an den Verlag raus. Und nun? Ja. Der Urlaub ist um. Das Klo steht noch neben dem Anschluss, aber es wird.

Keine Ahnung, was ihr so macht. Wenn ich abtauche: Ich baue Klos, oder Zäune, oder Fenster ein. Und was für welche.

Ab Montag geht die Arbeit wieder los. Ich freue mich darauf. Endlich wieder ein Stuhl unter den Popo, Kaffe auf dem Tisch und Zahlen vor der Nase. Und am Abend ohne Muskelkater an die Tasten für Elly. Routine – bald hast du mich wieder. Ich habe dich vermisst.

Und damit ihr wisst, von was ich rede: Das ist das Kunstobjekt, das mich so fertig machte:

Podest

Und ganz nebenbei ist es jetzt amtlich:

 

Alva
Und Grüße an Uschi, die jetzt nicht mehr über legendäre Klospülung lästern kann.

Eure Alva.

Veröffentlicht unter Allgemein | 3 Kommentare

Anscheinend

ist scheinbar eine Falle?

Oder etwa doch umgekehrt?

Da stellen sich meine Haare auf!

20.03.2013 178

Von Peinlichkeiten, Vertippern und Erdlöchern, die sich einfach nicht zum richtigen Zeitpunkt auftun wollen …

Ich gestehe, als Kind konnte man mir die Wichtigkeit unserer Rechtschreibung nicht wirklich nahe bringen. Meine Mutter ist an mir verzweifelt. Ich malte Bilder mit dem Titel Tieger, schrieb Sprüche mit dem Tierartzt auf und gratulierte zum Geburstag.

Manchmal vergaß ich die Buchstaben, oder aber ich war der vollen Überzeugung: Das muss so heißen. Ich schaffe das heute noch.

Meine Mutter glaubte schon an Legasthenie. Aber ich las doch viel! Mein Hirn blendet dabei alles prima aus. So geht es mir dann heute noch, wenn ich meine Texte lese. Ich bin dankbar, dass es Programme gibt, die mit roter Farbe Wortneuschöpfungen unterkringeln. Aber was, wenn die Schreibweise stimmt, aber das Wort einfach falsch ist. Dann wird es peinlich …

Der Klassiker, immer wieder gerne genommen: Er sah sie mit finsterer Mine an.

Nicht jedes Programm deutet darauf hin, dass hier jemand eine Bombenstimmung verbreitet … Und das „E“ sich Urlaub genommen hat.

Auch schön, wenn man eine Geschichte erzählt vom Wischmob. Was auch immer das für ein Volk sein mag …

Aber wirklich nett sind die Vertipper. Da beschreibt eine Autorin die Wagenknochen ihres Protagonisten. Meine Anmerkung dazu: Wolltest Du sagen, er guckt wie ein Auto? Ist das gar ein Auto mit repariertem Querdenker? Und eine Lambadasonde hat er auch?

Es ist schön, wenn man noch rechtzeitig von jemandem darauf aufmerksam gemacht wird. Wenn es doch irgendwo veröffentlicht steht, dann sucht man das Erdloch, in dem man sich verkriechen kann.

Noch gemeiner wird es, wenn wir regionale Ticks haben … Denn die sind uns nicht unbedingt bewusst. Ich enttarnte einmal eine Autorin ihrer Herkunft, weil sie das Wort Deckbett gebrauchte.

Ob man wirklich dänemarkisch kochen kann, habe ich bis heute nicht geklärt. Vielleicht kann mir da jemand helfen? Ist das ein Begriff, der aus der Region rund um Dänemark kommt? Müsste das nicht dänisch heißen? Ich fragte jedenfalls mal eine Autorin, die nahe der dänischen Grenze wohnte, wie sie wohl auf dänemarkisch käme? Leider bekam ich keine wirklich brauchbare Antwort.

Völlig verwirrt hat mich „Scheinbar“. Dieses böse Wort entdecke ich seit dieser Zeit überall und immer wieder frage ich mich: War das so gewollt?

Da mir eine Erklärung dazu immer noch Kopfzerbrechen bereitet, hier mal ein Link: http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/zwiebelfisch-abc-scheinbar-anscheinend-a-315125.html, den ich jedem nur empfehlen kann, der anscheinend nicht sicher ist, ob er nun scheinbar oder anscheinend nicht weiß, von was ich rede.

Und nun würde ich mich freuen eure Vertipper zu lesen. Vielleicht hält das davon ab, selbst in Fettnäpfe zu treten.

Also ran an die Kommentare. Ich würde mich freuen, wenn die Liste wächst!

Veröffentlicht unter Allgemein | 6 Kommentare

Die Ruhe und der Sturm

Ich habe einige Tage nichts von mir hören lassen.

Da liegen einige vorbereitete Beiträge in der Ablage und der Kopf ist voller Ideen. Doch abgesehen davon, dass ich ja meiner Arbeit nachgehe – und das mit Freude – , gab und gibt es da noch andere Dinge, die mich aufhielten.

Was ich in den letzten Tagen in den Medien beobachte, lässt alles andere klein und unwichtig erscheinen.

Meldungen über Flüchtlinge – egal was auch immer es ist – lenken mich ab von meinem Autorendasein und lassen mich nachdenken, lesen, recherchieren.

Ich mag nur folgendes dazu loswerden: Ich finde es unglaublich dreist und dumm, egal von wem, Berichte zu faken, zu zensieren oder einzufärben. Es ist in diesen Tagen kaum noch möglich sich eine eigene Meinung zu bilden, da Quellenangaben fehlen, alte Dinge als neu verkauft werden oder einzelne Inhalte aus dem Ganzen entfernt werden, um den Sinn zu verfälschen.

Ich könnte hier eine lange Liste dessen, was mir vor Augen und zu Ohren gekommen ist, nennen, aber ich werde mich hüten Öl in welches Feuer auch immer zu gießen.

Ich kann an dieser Stelle nur appellieren an alle, sich immer beide Seiten anzuhören und jeden Beitrag kritisch zu hinterfragen, der ihm vorgelegt wird.
Ich für meinen Teil mache das.

Ich habe mich entschlossen, eine meiner Kurzgeschichten zum Besten zu geben, die mir in den letzten Tagen wieder in den Sinn kam. Sie hat sicher noch ihre Kanten. Vielleicht kam sie mir wegen des Titels in den Sinn.

Waldesruh

Ich wär´so gern wie du

Die Kälte des grauen Wintertages war für Riley unerträglicher, als jemals zuvor. Der von seinem älteren Bruder Josef geerbte und zerschlissene Wollmantel vermochte der Witterung nichts entgegenzusetzen. Er hasste dieses Kleidungsstück von ganzem Herzen, ebenso wie die so genannten Handschuhe, die Mutter ihm liebevoll aus den zu klein gewordenen Stulpen seiner jüngeren Schwester Lilli genäht hatte.

Er hatte sie von seiner Familie zu seinem achten Geburtstag geschenkt bekommen und sich ein Danke abringen müssen, trotz der Lächerlichkeit, die er für dieses Geschenk empfand. Er wollte nicht undankbar sein, aber er hatte sich ein Fahrrad gewünscht, so eines, wie es Jonathan bekommen hatte.

Riley machte in der Dunkelheit einen Schritt nach vorn. Der Schnee knirschte unter seinen ausgetretenen Schuhen, als er sich dem Fenster weiter näherte, um hinein zu spähen. Er erblickte Jonathan, den Sohn der gnädigen Herrschaften, für die sein Vater arbeitete. Der Junge war so alt wie er und hatte alles, was Riley sich erträumte.

Er beobachtete, wie die gnädige Frau Jonathan behutsam über den Kopf strich, bevor er vom Esstisch aufstand, an dem die Familie gerade opulent gespeist hatte. In Rileys Mund sammelte sich der Speichel bei der Vorstellung, solches Essen zu kosten. Nun spielte Jonathan mit seinem Blechspielzeug: Eine Dampflokomotive, die er lachend über den Boden schob.

Durch diesen Anblick angefressen wandte Riley sich vom Fenster ab und stapfte durch den Schnee in Richtung der erbärmlichen Hütte seiner Eltern.

Bevor er eintrat verweilte er noch einen Augenblick, umgeben von Kälte und Dunkelheit, um sich seinen Fantasien hinzugeben: Er war Jonathan und ritt mit seinem Vater durch den Wald. Sie lachten und erfreuten sich des schönen Tages, bevor sie nach Hause zurückkehrten, um dort mit der gnädigen Frau köstlich zu speisen.
Dann spielte er mit der Dampflokomotive, ehe sein Vater ihn liebevoll zu Bett brachte.
Jonathans Vater war immer sehr liebevoll. Riley hatte das schon oft beobachtet und auch, dass Jonathan sehr undankbar auf die Zuneigung seines Vaters reagierte, indem er seinen Näherungsversuchen auswich.
Er wäre sicher nicht so undankbar, könnte er den Platz des Jungen einnehmen.

Jonathan schlief in einem richtigen Bett, er hatte sogar ein eigenes Zimmer. Er hatte es Riley mal gezeigt. Aber das war lange her, in der Zwischenzeit mieden sich die Jungen.
Riley mochte nicht mit Jonathan spielen. Er empfand es erniedrigend, aber Jonathan machte aus unerfindlichen Gründen auch einen Bogen um ihn.

„Riley? Junge, komm rein, du holst dir noch den Tod!“ Mutter zog ihn an der Tür hinein.
Es roch nach geröstetem Brot und Butter, vermischt mit dem Geruch der letzten Glut des Feuers. Sie würden kein Holz mehr nachlegen, es war zu kostbar. In wenigen Stunden würde es hier drin, in diesem kleinen Raum, so kalt wie draußen sein. Mutters Blick lastete besorgt auf ihm, als er seinen Mantel ablegte und zu seiner Schwester ins Bett unter die Decke kroch.

Von Flöhen geplagt zog Riley einen der alten großen Mäntel um sich, die ihnen als Decken dienten und träumte wieder davon, Jonathan zu sein. Ihn quälte sein schlechtes Gewissen. Er hatte mal den Pfarrer darüber sprechen hören, dass sich solche Wünsche nicht schickten.
Dennoch entschlummerte er in den Gedanken an Schweinebraten und Knödel, statt geröstetem Brot und Butter. Er träumte davon, mit dem Fahrrad über die Straße zu fahren, um danach vom gnädigen Herrn in die Arme geschlossen zu werden.

Es dämmerte, als Riley sich am nächsten Morgen an den Bach schlich. Seine Geschwister schliefen noch und Vater war schon zur Arbeit in den Wald gegangen.
Riley empfand es als ungerecht, dass sein Vater sich im Wald tagein, tagaus mit Säge und Beil abrackerte und am Ende des Tages nicht einmal genug Holz für sich hatte, um die winzige Hütte die Nacht über schön warm zu halten.

Bibbernd saß er auf einem schneebedeckten Baumstumpf und starrte auf das Wasser, das munter durch die bizarren Eisflächen hindurchfloss.

Riley wusste, dass in dem Wasser Fische waren und ihm war bekannt, wie köstlich sie schmeckten.
Er stellte sich vor, wie er als Jonathan jeden Tag so viel Fisch essen könnte, wie er sich wünschte. Sein Magen knurrte. Es war ihm verboten zu angeln, dennoch zog er seine selbst gebaute Angelrute hervor.

Riley fummelte ein Stückchen trockenes Brot an den Haken und warf die Angel aus. Abwechselnd steckte er eine Hand in die Tasche, um sie aufzuwärmen und hielt mit der anderen die Rute fest.
Irgendwann erhob er sich frustriert und zitternd und beschloss, den Bach ein Stück hinauf zu gehen. Er wusste: Dort lag ein Stamm über das Wasser, sicher hatte er da mehr Erfolg.
Sich seinen Weg durch das dürre Schilf bahnend, welches ihn weit überragte, blieb er wie angewurzelt stehen, als er freien Blick auf den Stamm bekam.

Er konnte dort Jonathan ausmachen. In seinem warmen, grauen Wollmantel und seiner Mütze turnte er todesmutig auf dem vereisten Holz über dem kalten Wasser umher.
Riley wunderte sich. Es war untypisch für den sonst so ruhigen und passiven Jungen, eine solch waghalsige Unternehmung zu betreiben.

Gerade als Riley sich umdrehen wollte, sah Jonathan auf und entdeckte ihn. Der Junge erstarrte in seiner Bewegung und fixierte Riley. Dieser schob seine Angelrute langsam zur Seite und ärgerte sich über seine Unachtsamkeit. Was, wenn Jonathan ihn verpetzte? Er würde unglaublichen Ärger bekommen und Vater auch.
Entschlossen stapfte Riley los. Er würde Jonathan das Maul stopfen, diesem verwöhnten Schnösel, der ihn mied. Bei seinen Gedanken daran, was dieser Junge alles hatte, was ihm vorenthalten blieb, stieg Wut in ihm auf.

Jonathan verharrte noch immer stocksteif auf dem Stamm, die Augen nicht von Riley lassend, als dieser sich ihm näherte. Am Rande der natürlichen Brücke angelang, erkannte Riley, dass Jonathans Augen gerötet waren, als dieser verstohlen unter sich blickte.
„Was machst du hier?“, keifte Riley ihn an.
Erschrocken über die Härte des Tonfalls zuckte Jonathan zusammen. Dann plärrte er zurück: „Wolltest du etwa angeln? Das ist für dich verboten!“
„Wenn du mich verpetzt, kannst du was erleben, du…“, drohte Riley.
Jonathan zuckte mit den Schultern. „Was könntest du mir schon Schlimmes antun?“ Der Inhalt der Worte hätte wie eine Kampfansage geklungen, doch der Ton von Jonathans Stimme und seine verweinten Augen drückten Verzweiflung aus.

Riley glotze ihn verwirrt an. Er wäre froh gewesen, Jonathan hätte ihm Grund gegeben, ihn weiter anzufeinden, aber seine devote Körperhaltung und sein hoffnungsloser Blick ließen ihn inne halten.
„Verpetze mich nicht, ja? Ich hatte Hunger!“ Riley machte einen Schritt auf Jonathan zu.
„Bitte, komm nicht näher!“ Jonathans Worte klangen wie ein Flehen. Hastig tat er auf dem vereisten Holz einen Schritt zurück.
„Wirklich, ich tu dir nichts!“, versicherte Riley und legte die Angelrute beiseite, um seine Hände in die warmen Taschen zu stecken.
„Ich verpetze dich nicht! Was hätte ich davon?“ Jonathans Schultern zuckten bei seinen Worten, um dann traurig herab zu hängen.
„Komm da runter!“, forderte Riley ihn auf.
Tatsächlich tat Jonathan einen Schritt auf ihn zu, doch sein Fuß rutschte ab. Erschrocken blickte er zu Riley, die geröteten Augen weit aufgerissen, dann verlor er mit wedelnden Armen gänzlich das Gleichgewicht und stürzte hinab in das eisige Wasser des Baches.

Riley erschrak. Vater hatte ihn über die Risiken aufgeklärt, bei dieser Witterung in solch kaltes Gewässer zu fallen. Entsetzt registrierte er, wie Jonathan hilflos und strampelnd von der Strömung mitgerissen wurde.
Entschlossen rannte Riley los und watete durch die kalten Wellen. Das Eiswasser schmerzte an den Beinen, doch wollte er Jonathan erreichen, musste er weiter hinein.
Wenige Sekunden später gelang es ihm, Jonathan am Kragen zu packen und ihn mit sich ans Ufer zu ziehen. Die Kälte ließ Rileys Glieder steif werden, dennoch setzte er alles daran, den Jungen bis vor die Haustüre der gnädigen Frau zu schleppen. Mit letzter Kraft klopfte er an die Türe.
„Um Himmels Willen!“, entfuhr es der Hausherrin. Sie zerrte die Jungen herein.
„Ich bin in den Bach gefallen. Riley hat mich gerettet“, stammelte Jonathan bibbernd.
Riley registrierte den gefühlvollen Blick von Jonathans Mutter auf sich.
„Wir müssen euch die nassen Sachen ausziehen“, sagte sie. „Dann sollt ihr Tee trinken und in ein warmes Bett.“
Ehe Riley sich versah, befand er sich in Jonathans Zimmer in seinem kuscheligen Bett, bis zur Nase in eine Federdecke eingehüllt und dampfendem Tee neben sich auf dem Nachttisch.
Er lehnte sich genügsam in das Kissen zurück und sah sich im Zimmer um. Es hatte einen beigen Anstrich der von einem kleinen Blumenmuster geziert war. Am Fenster gab es eine Gardine, die jetzt zugezogen war und das fahle Licht des Wintertags draußen hielt. Aber am allerbesten war der Ofen neben der Tür, der eine wohlige Wärme verbreitete.
Riley seufzte zufrieden darüber, dass seine Tat sich gelohnt hatte. Er fühlte sich wie in seinen Träumen, in denen er Jonathan war.
Zu seinem vollendeten Glück fehlten jetzt nur noch die Dampflokomotive und ein liebevoller Vater.
Die Zimmertür öffnete sich und die gnädige Frau kam herein, in ihrem wunderschönen blauen Kleid. Sie nahm neben Riley auf der Bettkante Platz und betrachtete ihn eingehend, dann ergriff sie seine Hand.
„Ich danke dir sehr, dass du Jonathan gerettet hast. So selbstlos hast du dich in das eisige Wasser begeben. Du bist ein guter Junge, Riley“, lobte sie ihn mit ihrer sanften Stimme.
„Ich habe das gerne gemacht, wirklich!“, strahlte Riley, wunderte sich dann aber. „Wo ist Jonathan?“, erkundigte er sich.
„Er ist in meinem Bett. Es geht ihm gar nicht gut. Ich habe nach dem Arzt geschickt. Er wird morgen kommen. Der gnädige Herr wird auch erst in der Nacht zurückkehren. Ich habe mit deiner Mutter gesprochen, Riley. Du bleibst heute Nacht hier im warmen Bett und ruhst dich aus.“
Nach den Worten der gnädigen Frau grinste Riley über das ganze Gesicht. Dann schoss ihm ein Gedanke durch den Kopf und auch wenn er ihn unverschämt fand, bat er: „Dürfte ich wohl die Dampflok von Jonathan einmal sehen?“
Die gnädige Frau lächelte warmherzig. „Ich bringe sie dir.“
Nachdem er den ganzen Nachmittag das Blechspielzeug bewundert hatte und abends im Bett ein opulentes Abendessen genossen hatte, schlief Riley ein. Dieses Mal brauchte er nicht zu träumen. Er hatte alles, wonach er sich gesehnt hatte.

In der Nacht weckte ihn ein Geräusch. Der Wind fuhr pfeifend um das Haus, aber Riley war sicher, er hatte etwas Anderes gehört. Dann knarrten sie wieder: Die Dielen im Flur. Zunächst erschrocken erinnerte er sich daran, dass der gnädige Herr erst in der Nacht zurückkehren sollte.
Plötzlich öffnete jemand leise seine Zimmertüre. In dem wenigen Licht, das der Mond durch die Gardinen schickte, erkannte Riley die Umrisse des gnädigen Herrn. Seine Stiefel klackten zu ihm ans Bett herüber und er setzte sich auf den Rand.
Die Hand des Herrn strich sanft über Rileys Haarschopf und der Junge erfreute sich, dass er nun auch seinen letzten Wunsch erfüllt bekam.
Jetzt stand der gnädige Herr auf. Doch er ging nicht wie erwartet hinaus. Schemenhaft erkannte Riley, dass er sich auszog, um dann zu ihm ins Bett zu steigen.
Es dauerte nicht lange, bis Riley erkannte, dass es sich nicht um liebevolle Berührungen handelte, die ihm der gnädige Herr zukommen ließ.
Er ertrug stillschweigend das ihm zugedachte Martyrium. Tränen unterdrückend. Nicht wissend, ob der gnädige Herr ihn für Jonathan hielt. Er roch nach Alkohol und stöhnte nach endlosen Qualen für Riley irgendwann auf, um wortlos zu verschwinden. Erstarrt und von stummen Tränen begleitet fühlte Riley den unglaublichen körperlichen Schmerz, der sich stetig ausbreitete, um sich dann durch sein rasendes kleines Herz zu fressen.
Kein Auge tat er mehr zu, bis er hörte, wie der gnädige Herr und seine Frau das Haus verließen.
Hastig zog er sich mehrere Kleidungsstücke aus Jonathans Schrank an und schlich über den Flur. Er spähte in das Zimmer, in dem er den anderen Jungen vermutete und fand ihm im Bett der Mutter vor.
Jonathan glühte vor Fieber. Als er Riley entdeckte, warf er ihm einen gequälten Blick zu. „Ich wollte das nicht, glaub mir“, stöhnte er.
Tränen liefen über Rileys Gesicht.
„Ich war nicht zufällig auf dem Baum. Ich wollte hinunter fallen. Ich war nicht mutig genug, um zu springen“, flüsterte Jonathan.
„Es tut mir so leid, so leid …“, wimmerte Riley.
„Mach es wieder gut!“, forderte Jonathan und setzte sich in seinem Nachthemd auf. „Bring mich zum Bach!“
„Aber … “, wunderte Riley sich tränenüberströmt.
„Bitte.“

Riley schleppte den nur im Nachthemd bekleideten Jungen an der Hintertür hinaus. Er selbst trug lediglich Hose und Hemd, die er aus Jonathans Schrank genommen hatte.
Mit nackten Füßen liefen sie, der eine den anderen haltend, durch den Tiefschnee auf der Wiese zum Bach hinunter.
Dort angekommen half Riley Jonathan sich auf einen Baumstumpf zu setzen. Riley wunderte sich, dass er die Kälte nicht wahrnahm. Nicht heute. Sein Körper sendete nur einen Schmerz, der alles andere überlagerte.

Sie verweilten eine ganze Zeit schweigend nebeneinander. Dann kippte Jonathan vom Baumstumpf herunter. Riley eilte zu ihm und rüttelte an seinem kalten Körper, um sich schließlich wimmernd neben ihn zu kauern.

Jonathan hatte aufgehört zu atmen.

Er packte den Leib des Jungen und zog ihn mit sich in das eisige Wasser des Baches hinein. Dort klammerte er sich an Jonathan. Seine Gedanken kreisten um jene Worte, die er stets nur im Stillen zu denken gewagt hatte. Zum ersten Mal sprach er sie aus:
„Ich wär´ so gern wie du“, doch der Traum dahinter, war ein anderer geworden: „Ich wär´ so gerne tot.“

Veröffentlicht unter Allgemein | 2 Kommentare